Am Mittwoch morgen, etwa um 10 in der Früh wurde die Wohnung des Österreichers William Weber durch das Landeskriminalamt Steiermark (LKA) durchsucht. Die Durchsuchung lief als Teil einer Operation gegen einen Kinderpornografie-Ring, welcher das TOR Netz benutzt, ab. Während der Durchsuchung wurden zahlreiche Computer und andere elektronische Geräte, als auch legale Waffen und andere Gegenstände beschlagnahmt. William wurde der Produktion und Verbreitung von Kinderpornografie beschuldigt.
Das TOR Netzwerk, welches ursprünglich vom United States Naval Research Laboratory entwickelt worden ist, erlaubt Internet-Usern absolt Anonym zu bleiben. Es wird häufig von Journalisten, Aktivisten und militärischen Organisationen rund um die Welt benutzt um Zensurmaßnahmen zu umgehen. Um dies zu ermöglichen, wird der gesamet Traffic über einige Router geleitet bevor dieser zum Ziel gelangt, dies macht es fast unmöglich User zurückzuverfolgen. William ist einer der Betreiber sogenannter “Exit Nodes” (End-Punkte) für dieses Netzwerk und das ist das Interview mit ihm.
Was für Gründe hast Du das Netzwerk mit “Tor Nodes” zu unterstützen?
Ich glaube an freien Informationsfluss; aber hauptsächlich betreibe ich diese um es Menschen, welche nicht dieselben Chancen haben wie wir, möglich zu machen unzensierten Zugang, ohne jeglichen Einfluss von Regierungen, zum Internet zu haben. Derzeit gibt es nicht viele Länder in welchen die Rechtslage von TOR Nodes geklärt ist. Länder wie Deutschland haben komplizierte rechtliche Struktueren bezüglich der Software TOR, aber dies wiederum bezieht sich nur auf Firmen (zum Beispiel das Deutsche Telemediengesetz). Ich möchte, zumindest in Österreich und vielleicht auch in Europa, diese Rechtslage klären. Zusätzlich, wurde ich der Verbreitung (und vermutlich auch der Produktion) von Kinderpornografie auf einem regulären Forum in Form einer Image-Hosting Seite (welche vermutlich abgehört wurde) beschuldigt. Falls ich verurteilt werde, könnte dies sechs bis 10 Jahre Haft bedeuten.
Welche Hardware wurde mitgenommen?
Meine colocated Server wurden nicht mitgenommen, vermutlich da sich diese nicht in der Zuständigkeit der EU befinden (Liechtenstein, US, Hong Kong). Aber natürlich ist es immer noch möglich, dass diese jetzt abgehört werden. Der Server auf welchem der Exit Node war, stand in Polen (Tor Fingerprint: FA48 6415 B86D 28CD 047D 10F7 6768 E4E8 8A18 2F71 / IP 178.217.184.147) und wurde schon vor Monaten durch einen Providerwechsel deaktiviert. Ausschließlich meine Wohnung wurde durchsucht, was darin resultierte, dass ~20 Computer (hauptsächlich Barebone PCs, HP Storages und ThinClients), externe Festplatten, USB Geräte, mein Hauptrechner, meine Spielekonsolen, Tablets und Smartphones beschlagnahmt wurden.
Wie lief die Durchsuchung ab?
Um 10 Uhr wurde ich vom Landeskriminalamt (LKA) auf der Arbeit überrascht. Ich bekam eine Kopie des Gerichtsbeschlusses für die Durchsuchung meiner Wohnung und jeglicher Datenspeicher. Da mir ab diesem Moment nicht weiter erlaubt wurde einen Computer zu benutzen, musste ich einen Kollegen die Nummer des Anwalts heraussuchen lassen. Dieser riet mir nichts über die Angelegenheit zu sagen. Danach wurde noch mein Arbeitslaptop mitgenommen und das LKA brachte mich zu meiner Wohnung, wo ich diese in meine Wohnung lassen sollte. Hätte ich dem nicht zugestimmt, hätten sie diese vermutlich gewaltsam geöffnet.
Sieben LKA- , zwei Polizeibeamte und ein Gutachter starteten die Hausdurchsuchung, ohne jeglichen Respekt meiner Privatsphäre oder ähnlichem. Schriftliche Dokumente in Schränken wurden gelesen und niemand kümmerte sich um meine Katze (immerhin wurde mir später erlaubt, diese in einen anderen Raum zu bringen). Meine Storage Server (HP MicroServers) wurden ohne Rücksicht auf die Hardware beschlagnahmt (Anstatt die Server ordnungsgemäß herunterzufahren wurden die Netzstecker einfach rausgezogen bzw. diese Hart heruntergefahren). Mein Hauptrechner wurde, soweit ich das sehen konnte, immerhin normal heruntergefahren. Nachdem sie mein Wohnzimmer durchsucht hatten, ging es mit meinem Schlafzimmer weiter, wo diese meine legalen Waffen, sowie meinen Kabel TV Receiver und meine XBOX 360 mitnahmen. Und das trotz der Aussage, dass all meine Waffen und die Munition absolut legal und registriert seien – was durch die Beamten aufgrund des Kalibers eines der Gewehre bezweifelt wurde.
Außerdem wurde ich dazu aufgefordert meinen Safe zu öffnen, was ich getan habe. Im Safe befanden sich weitere legale Waffen, einige hundert Euro, einige seltene Münzen, etwa 3 Gramm Hashish und 10 Gramm Marijuana für meinen eigenen Gebrauch. Nachdem sie die Drogen gefunden hatten, fragten sie wo ich diese gekauft hatte, ohne auch überhaupt auf meine Rechte hinzuweisen. Ich verwies darauf, dass ich nicht antworten möchte und dass die Drogen ausschließlich für den persönlichen Gebrauch seien. Die Handfeuerwaffen und Drogen wurden mitbeschlagnahmt als “Zufallsfund”. Danach wurde mir erlaubt meine Katze ins Badezimmer zu sperren – welches nicht durchsucht wurde (oder zumindest habe ich es nicht bemerkt)
Einige weitere Dinge die beschlagnahmt wurden, waren mein Taschenmesser, meine Machete – beide absolut legal in Österreich. Größere und bedrohlichere (Küchen) Messer wurden nicht mitgenommen. Immerhin wurde ich nicht festgenommen und war nach der Durchsuchung frei; Allerdings wurde mir mitgeteilt, dass ich wegen der Drogen ein temporäres Waffenverbot habe. Einer der LKA Beamten informierte mich, dass ich um 13.30 des selben Tages im LKA Büro in Graz erscheinen sollte. Zusätzlich gab man deren Telefonnummer, was gewissermasen ironisch war, da alle meine Telefone beschlagnahmt worden waren.
Nach der Durchsuchung kümmerte ich mich als erstes um meine Katze, welche sehr geschockt war an diesem Punkt, danach ging ich direkt zur Bank um mein Notfall-Handy und etwas Bargeld aus meinem Schließfach zu holen. Diese Schließfächer sind gesetzlich besser geschützt. Ich nutzte das Geld um mir einen neuen Laptop zu kaufen. Zu dieser Zeit wurde ich möglicherweise von Zivil-Beamten auf der Straße verfolgt, jedoch ließen sich mich alleine in die Bank – vermutlich wieder aufgrund des außerordentlichen Gesetzlichen schutzes.
Ist es nicht ungewöhnlich, dass man nach solch einem Vorwurf nicht direkt verhaftet wird?
Ja soweit ich weiß, Ich erwartete ebenfalls eine Verhaftung, aber da diese erst zu meiner Arbeitsstelle kamen, scheint es so, als hätten Sie keinen ausreichenden verdacht gehabt um alleine in meine Wohnung einzubrechen. Allerdings vermute ich überwacht zu werden im Falle einer Kontaktaufnahme zu Leuten weswegen die Durchsuchung geschah.
Was glaubst du, dass an rechtlichen Konsequenzen wegen der Drogen auf dich zukommen wird?
Im besten Falle nichts, da ich keinerlei Vorstrafen habe und nicht auf Bewährung bin. Auch weil die Menge sehr gering ist – dies versteht sich in der Regel mit 2 Jahren Bewährung (§ 35 SMG). Die einzige Möglichkeit dies zu umgehen wäre, vorzugeben ich hätte es verkauft, selbst in diesem Falle dürfte das wegen der Menge nur eine Strafzahlung ergeben. Jedoch ist das mein kleinstes Bedenken.
Stehst du seitdem in Kontakt mit dem LKA? Oder haben sie dich bisher kontaktiert? Hast du weitere Informationen deines Anwalts, oder eine Idee wie es jetzt weitergeht?
Um 13:30 Uhr war ich, wie angefordert, beim LKA in Graz. Diese haben mich draußen 20 Minuten warten lassen, bevor mich jemand zum Zuständigen brachte. Auch hier wurde Ich nicht direkt über meine Rechte aufgeklärt (Allerdings auch nicht Direkt Befragt).
Mir wurden zwei Kopien der Durchsuchung mit einer Liste der Beschlagnahmten Sachen ausgehändigt. Eine für meine Hardware und eine andere für meine Waffen und Drogen. Ich stimmte bei beiden zu diese zu unterschreiben. Nur zu dieser Zeit wurde ich über meine Rechte aufgeklärt (Das ich einen Anwalt kontaktieren darf und nichts zu sagen brauche). Ich lehnte ab, da ich bereits mit einem Anwalt Kontakt aufgenommen hatte. Und wieder erklärte ich, dass meine Waffen legal erworben wurden und legal sind – und natürlich, dass die Drogen ausschließlich für meinen eigenen, persönlichen Gebrauch sind. Auch hier lehnte ich die Frage nach der Herkunft der Drogen erneut ab.
Danach wurde mir die IP Adresse des Nodes gezeigt, welche mir für den entsprechenden Zeitraum zugeordnet war. Ich erklärte, dass es sich hierbei um einen TOR Exit Node handelte, welcher in dem besagten Zeitraum unter meiner Kontrolle war. Auch versuchte ich zu erklären was TOR war und plötzlich waren sie deutlich freundlicher zu mir. Vielleicht verstanden sie, dass diese keinen Kinderporno-Produzenten im Büro sitzen haben.
Einige Fragen über mein Motiv die Nodes zu betreiben folgte. Ich versuchte dies zu beantworten, was aber nicht richtig verstanden wurde. Die Beamten verstanden einfach nicht, warum ich Resourcen “verschwenden” würde um einen TOR Node zu betreiben. Ich informierte sie darüber, dass ich bereits von der polnischen Polizei im Mai über die IP wegen Hackerangriffen kontaktiert wurde. Aber auch dort hatte ich der polnischen Polzei erklärt, dass es sich um einen TOR Exit Node handelte und keinerlei Logfiles existieren. Nach diesen Angriffen beendete ich diesen Exit Node auf diesem server, aber scheinbar war es bereits zu spät und das LKA waren bereits eingeschaltet.
Mir wurde das Verhör-Protokoll ausgehändigt, welches ich nach einem durchlesen unterschrieb. Danach war ich frei und konnte gehen – aber schon wieder wurde es versäumt, mir mitzuteilen, dass ich das Land nicht verlassen darf ohne die Polizei bzw. das LKA zu Informieren. Ich wurde darüber später von meinem Chef informiert. Das war ziemlich überraschend und ärgerlich, da meine Familie und Freundin in Slowenien leben und ich diese häufig am Wochenende besuche und dies hierdurch möglicherweise für Mehrere Monate Schwer bis Unmöglich ist.